Bikini Beach
Genre
Garage-Rock
aus
Konstanz
anhören:
Spielt am
Samstag
Stagetime
01:00 - 01:55
Stage
Hauptbühne
Gefrässige Raupen und wunderschöne Schmetterlinge. Zuckerbrot und Peitsche. Fuzzige Riffs und zuckersüße Melodien. Bikini Beach setzen auf ihrem neuen Album auf Kontraste. „Cursed“ ist schon Album Nummer sieben der Grenzgänger vom Bodensee. Sänger und Gitarrist Nils Hagstrom und Bassistin Charlotte Love wohnen in Konstanz, Schlagzeuger Flip kommt aus der nahen Schweiz. „Seit 2020 ist alles wie verflucht“, erklärt die Band den Albumtitel. „Als wir für unser fünftes Album "Atoll" im Studio waren, fing gerade die Corona-Pandemie an. Das überschattete nicht nur den Release und die kommenden Touren komplett, sondern brachte auch viel Unheil, Angst und Chaos mit sich. Nicht mal zwei Jahre später dann der Ausbruch des Krieges in Europa, der immer noch andauert. Welcher Mist kommt wohl noch alles auf uns zu?“ 2025 klingen Bikini Beach düsterer als bisher. Kein Wunder, bei all dem Scheiß um uns herum. In den Texten geht es um sehr persönliche Probleme oder die Wut auf die Gesamtsituation. Der Planet geht vor die Hunde, Nazis und Populisten feiern Wahlsiege und in der Nachbarschaft fliegen Bomben und Marschflugkörper. „Uns ist bewusst, dass wir zwar einerseits in einer super privilegierten Gesellschaft leben, aber gleichzeitig wird man teilweise einfach nur fassungslos über aktuelle Geschehnisse“, so die Band. May The Fuzz Be With You Trotzdem ist da diese wundervolle Musik. Gitarrist Nils, Bassistin Charlotte und Drummer Manuel nehmen uns an die Hand und ziehen uns in den hintersten Winkel des Kaninchenbaus. Da wo die Karotten blau sind, der Boden leuchtet und die Löwenzahnblätter nach Marzipan schmecken. Herrlicher schrammeliger Lo-FiSound, gepflegte Slacker-Attitude. Mit einer Prise Surf und Psychedelic. Bester Sixties-Garagen-Sound wie aus der Hitschmiede von Fuzztones oder Miracle Workers. Dabei haben die Fuzz-Darlings aus Konstanz nichts mit den Helden der Eighties am Hut. „Diese Bands kannten wir tatsächlich bis vor kurzem gar nicht“, sagt Nils zu den Wurzeln von Bikini Beach. „Eigentlich gibt es null Verbindung zu den Eighties wie auch zu den Seventies. Die haben sich auch nur an den Sixties orientiert, wie wir. Unsere Wurzeln gehen auf die frühen Alben von Ty Segall, Thee oh Sees, SixtiesGarage wie Them, Link Wray, oder ganz einfach die Beatles zurück. Manchmal schleichen sich auch klassische Black Metal Licks, die Stimmung von Joy Division oder Nirvana-ähnliche Riffs ein.“ Declaration Of Fuzz Die Produktion von „Cursed“ war wieder ziemlich DIY. Aufgenommen haben Bikini Beach größtenteils im eigenen Proberaum am Bodensee. Das Schlagzeug haben sie wieder im Elbdeich-Studio in Hamburg mit ihrem Labelboss Velvet Bein recorded. Flip hat den letzten Schliff bei sich zu Hause gemacht, Percussions eingespielt und weirde Synth Noises gebastelt, außerdem hört man seine Mutter wieder am Ende in den Backing Vocals singen. Großartig. Für den Mix konnte die Band einen echten Fachmann gewinnen: Ärzte-Bassist Rodrigo „Rod“ González. „Letztes Jahr im Sommer hatte er schon unsere Single gemischt. Da haben wir gemerkt, dass die Zusammenarbeit mit ihm super ist und er all unsere Wünsche perfekt umsetzen kann. Es hat auch dieses Mal wieder tadellos funktioniert, wir sind echt mehr als happy mit dem Ergebnis“, schwärmt die Band. Until The Fuzz Takes Us Für das farbenfrohe Artwork, das wirkt wie aus einem Biologie-Buch, ist Bassistin Lotti verantwortlich. „Beim Albumcover haben wir lange überlegt, wer das machen kann“, lässt die Band wissen. „Am Ende wollte Lotti etwas im Stil von Maria Sibylla Merian illustrieren, einer großartigen Wissenschaftlerin und Künstlerin, die Insekten studiert hat. Den Kontrast zwischen einer schönen Illustration und etwas als eher eklig betitelten wie Insekten fanden wir einfach passend.“ Wolfram Hanke (Zündfunk, Ox) —- Single-Auskopplung „Liar Liar“ Bikini Beach sind wieder da. Die Fuzz-Darlings vom Bodensee haben ein neues Album am Start und schicken mit der Single „Liar Liar Liar“ den ersten Vorboten ins Rennen. Ein funkelndes Nugget aus dreckigem Garagenrock voller Distortion, Fuzz, Echos und Delays. Direkt aus der Besucherritze zwischen Fuzz, Psychedelic, Surf und Pop. „Wie man sich denken kann, geht es in dem Song ums Lügen“, sagt die Band. „Manchmal hat man das Gefühl, die komplette Welt um einen herum lügt. Besonders, wenn es so offensichtlich gelogen ist. Wenn man schon angelogen wird, dann sollte man sich wenigstens Mühe geben, dass es auch eine logische Lüge ist und kein kompletter Blödsinn, den man sofort durchschaut.“ Nach zweieinhalb Minuten ist alles schon wieder vorbei. Nach zweieinhalb ist aber auch alles erzählt. Kein unnötiges Gramm Fett. Eine grandiose Hook, Beats, die in die Beine gehen, elektrisierende Background-Chöre. „Die Liebe zur simplen, direkten und rauen Rockmusik ist, nicht tot zu kriegen“, davon ist die Band überzeugt. „Da stecken so viele Emotionen dahinter, so viel Energie, die man direkt rauslassen kann. Nicht nur als Besucher*innen beim Konzert, sondern auch direkt am Instrument.“ Wolfram Hanke (Zündfunk, Ox) Single-Auskopplung „Family“ In der Kürze liegt die Würze. Auch die zweite Vorab-Single von Bikini Beach ist ein Zwei-Minuten-Kracher. Fuzzige Gitarrenwände türmen sich auf. Die Stimme von Bassistin Lotti hat ordentlich Hall. Hat die Zeitmaschine in den Sixties angehalten? Bikini Beach scheren sich nicht um Trends oder Verkaufszahlen. Diese Musik kommt direkt von der Bauchspeicheldrüse. Mit Themen, die unter die Haut gehen. „In dem Song geht um die eigene Familie. Um destruktive Strukturen, die seit Generationen einfach weitergegeben werden und sich tief in die eigene Persönlichkeit eingepflanzt haben. Obwohl man sich dessen vielleicht gar nicht so bewusst ist“, sagt die Band zu „Family“. „Es geht um Gedanken, die von den Eltern in den Kopf eingetrichtert wurden, aber gar nicht die eigene Meinung widerspiegeln.“ Wolfram Hanke (Zündfunk, Ox) Single-Auskopplung „Cursed Century“ Ein letzter Vorbote für das neue Album „Cursed“. Noch ein paar Mal schlafen, dann knallen die Fuzz-Darlings vom Bodensee ihren siebten Longplayer auf die Theke. „Cursed Century“ versprüht kalifornische Vibes. Ein verträumter Mid Tempo-Song, der die musikalische Bandbreite von Bikini Beach zeigt. Ganz anders als der Rest des Albums. Fuzz in Zeitlupe. Sonne, Sixties und Surfen. Für die Band ist der Song wie ein verwunschener Fiebertraum. „Manchmal kann man nicht einschlafen, weil einem die ganzen Weltprobleme durch den Kopf schwirren“, beschreiben sie den Song. Kein Wunder angesichts von Klimawandel, Kriegen und Rechtsruck. Alle Texte auf „Cursed“ sind ziemlich düster geraten, weil das aktuelle Geschehen in der Welt wirklich auf die Psyche drücken kann und man irgendwohin muss mit diesen Gefühlen. Wolfram Hanke (Zündfunk, Ox)
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